Zwischen Laptop und Kochlöffel: Homeoffice als Testfall für Geschlechtergerechtigkeit

Eine neue Studie des Exzellenzclusters "The Politics of Inequality" an der Universität Konstanz und des King’s College London zeigt: Homeoffice kann die Aufteilung von Haus- und Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen ausgewogener machen – allerdings nur in Familien mit fortschrittlichen Einstellungen zu Geschlechterrollen.

In den letzten Jahren hat sich Homeoffice in vielen Haushalten etabliert – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Oft gilt es als Schlüssel zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Doch ist das tatsächlich so? Welche Auswirkungen Homeoffice auf die Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen Frauen und Männern hat, untersucht eine neue Studie des Exzellenzclusters "The Politics of Inequality" an der Universität Konstanz und des Global Institute for Women’s Leadership am King’s College London.
Das Ergebnis: Das Rollenbild ist entscheidend – und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Bei Familien mit fortschrittlichen Geschlechterrollen trägt Homeoffice tatsächlich zu einer gerechteren Aufteilung der Care-Arbeit bei – bei Familien mit traditionellem Rollenbild kann Homeoffice die ungleiche Verteilung allerdings noch verstärken.

Für ihre Forschung nutzten die Autorinnen Heejung Chung, Professorin für Work und Employment, und Olga Leshchenko, Postdoktorandin an der Universität Konstanz, Daten des Deutschen Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) aus den Jahren 2008 bis 2021. Die Forscherinnen fanden heraus, dass nur Männer mit progressiven Ansichten zu Geschlechterrollen bei mehr Homeoffice auch mehr Tätigkeiten im Haushalt übernehmen. Männer mit traditionellen Rollenbildern hingegen verändern ihr Verhalten kaum. Umgekehrt leisten eher traditionell eingestellte Frauen im Homeoffice noch mehr unbezahlte Care-Arbeit. "Homeoffice kann ein großer Gleichmacher sein – aber nur in Haushalten, in denen Männer sich selbst als gleichberechtigte Partner in der Fürsorge sehen", erklärt Heejung Chung, Direktorin des Global Institute for Women’s Leadership.

Während der Coronapandemie blieben diese Muster in heterosexuellen Partnerschaften bestehen. Männer, die Hausarbeit als gemeinsame Verantwortung begreifen, nutzten die zusätzliche Flexibilität für mehr Familienzeit – andere sahen sie als Chance für längere Arbeitsstunden. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass strukturelle Maßnahmen wie das Recht auf flexible Arbeit zwar unerlässlich, aber nicht ausreichend sind", betont Olga Leshchenko. "Es braucht auch einen kulturellen Wandel, der die Aufteilung der Aufgaben in der Familie verändert." Gerade in der Pandemie wurde deutlich, dass Homeoffice ohne gesellschaftlichen Wandel bestehende Ungleichheiten sogar vertiefen kann. Die Forschenden fordern deshalb politische Maßnahmen, die fortschrittliche Rollenbilder stärken.  

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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