Seit dem 1. Mai 2025 werden Jugendintegrationskurse und Eltern- bzw. Frauenintegrationskurse nach und nach eingestellt. Eine Wiederholung der B1-Prüfung ist nur noch für Teilnehmende an einem Alphabetisierungskurs oder an einem Kurs mit besonderem sprachpädagogischen Förderbedarf, sogenannte "gering Literalisierte" möglich. Das Innenministerium will so angeblich die "Effizienz" steigern. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Diese Neuregelung erschwert insbesondere Frauen, die sich hier integrieren und arbeiten möchten, das Leben und nimmt ihnen die Perspektive. Der B1 Sprachnachweis ist Voraussetzung für die Einbürgerung. B2 ist das Eintrittstor bei Arbeitgeber*innen für eine Ausbildung oder für eine qualifizierte Berufsausübung.
"Wir haben nicht genug Arbeitskräfte in Deutschland – es ist mir schleierhaft, warum wir auf eine so wertvolle Ressource wie Frauen mit Migrationsgeschichte verzichten wollen. Das ist nicht sparsam, dass ist kurzsichtig", so Bundessprecherin Luisa Arndt.
Strukturelle Diskriminierung von Migrantinnen statt Effizienzsteigerung
Migrantinnen und geflüchtete Frauen sind ohnehin wegen Sprachbarrieren, mangelnden Kinderbetreuungsangeboten und fehlenden Qualifizierungsmöglichkeiten benachteiligt. Sie brauchen besonders eine lebensnahe Unterstützung und Qualifizierungsangebote, die mit Familienaufgaben vereinbar sind. Sprachkurse sind entscheidend für Integration. Denn sie ermöglichen Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Besonders frauenspezifische Kurse bieten einen geschützten Raum, in dem Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern, Selbstvertrauen gewinnen und sich auf die besonderen Herausforderungen ihrer Lebenssituation einstellen können. Das stärkt vor allem Mütter in ihrer (auch ökonomischen) Unabhängigkeit und stärkt ihre Kinder im Blick auf Rollenbilder Dazu kommt, dass wichtige Beratungsangebote wie Fachstellen für Alleinerziehende im Zuge der neuen Verordnung in Teilen ebenfalls schon gestrichen worden sind.
Folgekosten der Neuregelung höher als der Nutzen?
Der Wegfall dieser Kurse bedeutet, Frauen abzuhängen und es ihnen besonders schwer zu machen, existenzsichernde Arbeit zu finden und sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Eine geringere Sprachkompetenz erhöht auch die Gefahr der sozialen Isolation und kann langfristig zu Armut und Abhängigkeit führen. Das hat auch extrem negative Auswirkungen auf die Kinder, die in Folge ebenfalls unter fehlender Integrierung leiden werden. Gleichzeitig ist es erwiesen, dass eine unabhängige Existenzsicherung für Frauen die nachhaltigste Prävention vor häuslicher Gewalt darstellt. Rein finanziell gesehen, dürften die Kosten solcher Gewalt die Ausgaben für Sprachkurse in der Summe um ein Vielfaches übersteigen.
Desaster für Kommunen und deutsche Wirtschaft
Die Folgen gerade in den Kommunen sind weitreichend, sowohl mit Blick auf den Arbeitsmarkt als auch auf die Integration in die Gesellschaft, denn es wird zu Verzögerungen bei der Integration und zu einem längeren Bezug von Sozialleistungen führen. Wenn qualifizierte Frauen durch fehlende Sprachförderung nicht ausreichend unterstützt werden, gehen wertvolle Potenziale verloren. Die explizite Reduzierung der frauenspezifischen Integrationsangebote sowie der Wegfall von Wiederholungsprüfungen gefährdet auch die Zukunft des deutschen Wirtschaftssystems.
"Ich empfinde es als einen Skandal, dass am Spracherwerb gespart wird. Besonders hart trifft es erneut Frauen. Keine Überraschung aber ein Umstand der dringend abgestellt gehört! Wir können und sollten es uns nicht leisten auf die Arbeitskraft von Frauen mit Migrationsgeschichte zu verzichten", betont Bundessprecherin Luisa Arndt.
Den gesamten Text lesen Sie auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen.
