Am Ende waren wohl viele der Teilnehmerinnen selbst überrascht, dass sie den rechten Arm soviel stärker beanspruchen mussten, als den linken. Aus diesem Ergebnis sowie dem anschließenden Vortrag "Mental Load – Wer denkt mit?" entspann sich ein munterer Austausch, gespickt mit vielen persönlichen Erfahrungen, der den Fachtag perfekt abrundete. Eine ältere Teilnehmerin merkte an, dass sie erschrocken darüber sei, dass Frauen, die heute kleine Kinder zu betreuen hätten, vor exakt denselben Problemen und Belastungen stünden wie sie damals. Es habe sich also kaum etwas geändert.
Zu der Veranstaltung im Rahmen der RIKA-Richtlinie zur Umsetzung der Chancengleichheit für Frauen am Arbeitsmarkt hatte das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung in den Dänischen Pavillon auf dem EXPO-Gelände in Hannover eingeladen. Alle zwei Jahre wird solch eine Fachtagung im Themenbereich "Frauen und Erwerbstätigkeit - Förderung der Integration und Behauptung von Frauen in den und am Arbeitsmarkt" angeboten. Auch Sozialminister Dr. Andreas Philippi war gekommen, um ein Grußwort zu sprechen.
Danach hielt Svenja Pfahl vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer einen Vortrag zu "Geschlechtergerechter Zeitpolitik. Wie Arbeitszeiten fair gestalten?" Darin zeigte sie unter anderem, dass Frauen im Durchschnitt gut 50 Prozent mehr Kinderbetreuungszeit übernehmen als Männer. Außerdem sprach sie über ein gravierendes Missverhältnis: Obwohl Frauen gerne mehr arbeiten würden und Männer sich weniger Erwerbszeit wünschen, sei die umgekehrte Situation nach wie vor der Regelfall in Deutschland.
"Diskriminierungserfahrungen von fürsorgenden Erwerbstätigen: Ausmaß, Erscheinungsformen und Handlungsansätze" standen im Beitrag von Nathalie Schlenzka, Referatsleiterin Forschung und Vernetzung, Antidiskriminierungsstelle des Bundes, im Fokus. Die Referentin erläuterte, dass 56 Prozent der befragten Eltern mindestens eine diskriminierende Erfahrung im Zusammenhang mit der Schwangerschaft machten. Das Verhältnis zu Vorgesetzten verschlechtere sich mit Bekanntgabe der Schwangerschaft, was sich sowohl in sozialer Herabwürdigung als auch in materieller Benachteiligung widerspiegele.
Nach einer Mittagspause referierte Dr. Dag Schölper, Geschäftsführer des Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e. V., über: "Sorglos? Männer, Care und Partnerschaftlichkeit". Darin kam Dr. Dag Schölper unter anderem auf das Thema der männlichen Fürsorglichkeit zu sprechen, oder auch "Caring Masculinities". Er zeigte verschiedene Vätertypen auf und erklärte, dass dabei der "überzeugte Rollenbewahrer" nach wie vor am stärksten vertreten sei. Oder, um es in Zahlen zu sagen: "Jeder fünfte 20- bis 30-Jährige hat trade-wife-ähnliche Überzeugungen."
Zum Schluss gab Schölper seinem Publikum noch zwei Vorschläge mit auf den Weg, die in seinen Augen beiden Elternteilen zugutekämen, wenn sie konsequent umgesetzt werden würden: "Zwei Wochen Väterfreistellung anlässlich Geburt und ein Gesetz, das Elternzeit 50:50 festlegt."
Vorträge der Referentinnen und des Referenten können Sie auf der Seite des Sozialministeriums anschauen!
